Von Medienmacht, wirtschaftlichen Abhängigkeiten und der Frage, wie unabhängig der Schweizer Journalismus noch ist
Medien sollen die Mächtigen kontrollieren. Sie sollen Missstände aufdecken, politische Entscheidungen hinterfragen und den Bürgern ermöglichen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Doch wer kontrolliert diejenigen, die diese Kontrollfunktion ausüben?
Diese Frage wird in der Schweiz zunehmend wichtiger.
Denn das Schweizer Mediensystem ist stark konzentriert. Laut dem «Jahrbuch Qualität der Medien 2025» entfallen in der Deutschschweiz 74,6 Prozent des Gesamtnutzermarktes auf die drei grössten Anbieter TX Group, SRG SSR und CH Media. Betrachtet man den gesamten Schweizer Online-Newsmarkt, kommen die fünf grossen Medienorganisationen TX Group, SRG, CH Media, Ringier und NZZ auf rund 73 Prozent der Nutzung. (schwabeonline.ch)
Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Medienhäuser «korrupt» sind. Aber es bedeutet, dass eine vergleichsweise kleine Zahl von Unternehmen einen enormen Einfluss darauf besitzt, welche Nachrichten Millionen Menschen täglich erreichen.
Und genau hier beginnt das Problem.
Medienkonzentration ist Machtkonzentration
Wer über grosse Reichweiten verfügt, besitzt nicht nur wirtschaftliche Bedeutung. Medien bestimmen, welche Themen auf die politische Agenda gelangen, welche Debatten Aufmerksamkeit bekommen und welche Geschichten nach einem Tag wieder verschwinden.
Der aktuelle Medienmonitor des Bundesamts für Kommunikation zeigt ebenfalls die enorme Bedeutung der grossen Medienkonzerne. Die SRG verfügt demnach über das grösste Meinungsmachtpotenzial, gefolgt unter anderem von TX Group, CH Media und Ringier. (bakom.admin.ch)
Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Situation vieler Medienunternehmen schwierig. Werbeeinnahmen sind rückläufig oder stagnieren. Internationale Plattformen ziehen grosse Teile der Werbegelder ab. Für klassische Medien bedeutet das steigenden finanziellen Druck. (bakom.admin.ch)
Damit entsteht eine gefährliche Kombination: Immer weniger Unternehmen erreichen immer mehr Menschen, während gleichzeitig die wirtschaftlichen Bedingungen schwieriger werden.
Wer bezahlt, beeinflusst nicht automatisch den Inhalt – aber die Abhängigkeit bleibt
Auch die Finanzierung verdient Aufmerksamkeit.
Die Schweiz schmiert die Presse jährlich mit erheblichen Mitteln. Für die indirekte Presseförderung stehen beispielsweise 50 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung. Hinzu kommt die öffentliche Finanzierung des Radio- und Fernsehsystems über die Radio- und Fernsehabgabe. (bakom.admin.ch)
Journalismus braucht Unabhängigkeit. Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob staatliche Finanzierung, wirtschaftliche Interessen und journalistische Berichterstattung ausreichend voneinander getrennt sind.
Eine kritische Öffentlichkeit darf diese Frage stellen, ohne gleich zu behaupten, dass Journalisten gekauft oder Redaktionen politisch gesteuert werden.
Auch private Medien sind nicht frei von Interessen
Die Vorstellung, dass nur der Staat Einfluss nehmen könnte, wäre zu einfach.
Private Medien gehören Unternehmen, Stiftungen oder Familien. Diese Eigentümer haben wirtschaftliche Interessen und teilweise grosse weitere Geschäftsaktivitäten.
Bei CH Media beispielsweise liegt die unternehmerische Verantwortung seit April 2026 vollständig bei der Eigentümerfamilie Wanner. Die Familie hält damit 100 Prozent des Unternehmens. (geschichte.chmedia.ch)
Auch Ringier ist weit mehr als ein klassischer Zeitungsverlag. Das Unternehmen besitzt zahlreiche Medienmarken und ist gleichzeitig in digitalen Marktplätzen, Stellenplattformen, Sport, Unterhaltung und Werbung aktiv. (ringier.com)
Es zeigt, warum Medienbesitz nicht als nebensächliches Detail betrachtet werden darf.
Das eigentliche Problem ist der Interessenkonflikt
Korruption beginnt nicht erst dort, wo jemand einen Umschlag mit Geld überreicht.
In einem demokratischen Mediensystem sind auch subtilere Formen von Einfluss relevant: wirtschaftliche Abhängigkeiten, persönliche Netzwerke, politische Nähe, Inserenten, Lobbyorganisationen, Verwaltungsratsmandate oder die Beziehung zwischen Medienhäusern und denjenigen, über die sie berichten.
„Welche Interessen beeinflussen die Schweizer Medien – und wie transparent wird das dem Publikum offengelegt?“
Diese Frage ist wesentlich schwieriger. Aber genau deshalb ist sie journalistisch interessant.
Die vierte Gewalt braucht Kontrolle
Eine Demokratie funktioniert nicht dadurch, dass Medien grundsätzlich recht haben.
Sie funktioniert dadurch, dass Medien kritisiert werden dürfen.
Ein Journalist muss Politiker kritisieren dürfen. Ein Bürger muss Journalisten kritisieren dürfen. Und ein Medienhaus muss genauso überprüfbar sein wie ein Bundesrat, ein Konzern oder eine Behörde.
Das gilt insbesondere dann, wenn wenige Medienunternehmen einen grossen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit kontrollieren.
Die Gefahr besteht nicht zwingend in einer zentral gesteuerten Schweizer Medienlandschaft. Die grössere Gefahr könnte viel unspektakulärer sein: wirtschaftlicher Druck, weniger Personal, weniger Zeit für Recherche und eine zunehmende Abhängigkeit von Agenturmeldungen, offiziellen Quellen und schnell produzierten Online-Inhalten.
Auch das Schweizer Parlament hat bereits darauf hingewiesen, dass grössere Recherchen schwieriger geworden sind und Redaktionen gegenüber den wachsenden Kommunikationsabteilungen von Unternehmen, Behörden und Verbänden ins Hintertreffen geraten können. (ws-old.parlament.ch)
Vertrauen ist kaufbar
Medien verlangen von Politikern Transparenz. Von Unternehmen verlangen sie Offenlegung. Von Behörden verlangen sie nachvollziehbare Entscheidungen.
Dasselbe muss für die Medien selbst gelten.
Wer besitzt ein Medium?
Wer finanziert es?
Welche wirtschaftlichen Beteiligungen bestehen?
Welche politischen oder gesellschaftlichen Netzwerke gibt es?
Wer sitzt in Verwaltungsräten?
Welche Interessenkonflikte könnten bestehen?
Und vor allem: Werden diese Zusammenhänge dem Leser transparent gemacht?
Das sind keine Fragen gegen den Journalismus.




Es ist doch ganz einfach. Die Mächtigen, Reichen und die grossen Unternehmen besitzen die Medien und den Bundesrat. Die sitzen in einem Boot. Das einzige was der Bürger machen kann, ist seine alternativen Medien sorgfältig auszusuchen und den Mainstream abzuschalten.
Was hier noch unerwähnt bleibt: Zusätzlich beziehen all diese 3/4-Monopolmedien ihre nicht selbst recherchierbaren Inhalte aus denselben Quellen (auch wenn als Feigenblatt Keystone sda herhalten muss, die aber ihrerseits ihre nicht selbst recherchierbaren Inhalte aus im Grossen und Ganzen genau drei Quellen beziehen, welche wiederum aufeinander abgestimmt und mit der Lupe betrachtet ebenso ein monopolistischer und manipulativer Klüngel sind). Glücklicherweise merken immer mehr Menschen, dass man auf diese Medienoutlets getrost verzichten kann, weil sie rein gar nichts zur freien Meinungsbildung beitragen - ganz im Gegenteil.