Der Iran-Krieg und die nackte Wahrheit der Macht
Eine Kolumne von Peter Ganz
Viele Menschen stellen sich dieser Tage dieselbe Frage: Worum geht es beim möglichen Krieg gegen den Iran eigentlich wirklich? Um Atomwaffen? Um regionale Sicherheit? Um den Schutz einer regelbasierten Weltordnung, die man uns seit Jahrzehnten als unantastbares Gut verkauft?
Die Antwort lautet: Nein. Es geht, wie so oft in der Geschichte, um Macht. Um nichts anderes als die Machtstellung der Vereinigten Staaten in einer Welt, die sich erlaubt hat, komplizierter zu werden, als Washington es sich wünscht.
Das Ablenkungsmanöver hat viele Namen
Die westlichen Leitmedien sind kreativ, wenn es darum geht, Begründungen für militärische Eskalationen zu liefern. Man spricht von iranischen Atomwaffen — obschon der Iran seit Jahren unter internationaler Beobachtung steht und die Geheimdienste selbst keine eindeutige Bombe nachgewiesen haben. Man warnt vor Blockaden an der Strasse von Hormus — dem engen Nadelöhr, durch das ein beachtlicher Teil des weltweiten Öls fliesst. Und natürlich darf das Narrativ vom islamistischen Schurkenstaat nicht fehlen, dem man nicht trauen dürfe.
Diese Begründungen sind nicht erfunden. Sie sind bloss unvollständig. Sie erzählen einen Teil der Geschichte — jenen Teil, der sich gut verkaufen lässt. Den unbequemen Rest lassen sie weg.
Öl ist keine Ressource. Öl ist Macht.
Wer verstehen will, warum der Iran für Washington strategisch so brisant ist, muss verstehen, was Energie in der Geopolitik bedeutet. Öl ist nicht einfach ein Rohstoff. Öl ist der Transmissionsriemen der Weltwirtschaft. Wer die Energieressourcen des Mittleren Ostens kontrolliert, hält einen Hebel in der Hand, mit dem sich ganze Volkswirtschaften steuern — oder würgen — lassen.
Genau diesen Hebel haben die USA in den vergangenen Jahrzehnten mit bemerkenswerter Konsequenz zu sichern versucht. Der Irak wurde destabilisiert. Libyen versank im Chaos, nachdem Gaddafi den Fehler beging, zu laut über einen goldgedeckten afrikanischen Dinar nachzudenken. Syrien blutete in einem Stellvertreterkrieg aus, der nichts mit humanitärer Sorge zu tun hatte. Venezuela, das Land mit den grössten bekannten Ölreserven der Welt, steht seit Jahren unter massivem wirtschaftlichem Druck.
Der Iran ist einer der letzten verbliebenen Staaten in der Region, der sich diesem Gravitationsfeld offen widersetzt. Das ist sein eigentliches Vergehen.
China im Hintergrund des Bildes
Wer noch immer nicht überzeugt ist, sollte einen Blick auf die geopolitische Landkarte werfen — nicht die militärische, sondern die wirtschaftliche. China ist der grösste Energieimporteur der Welt. Peking ist auf Öllieferungen aus dem Mittleren Osten angewiesen wie kaum eine andere Grossmacht. Ein amerikanisch dominierter Mittlerer Osten wäre nicht bloss eine Frage regionaler Hegemonie. Es wäre ein strategisches Instrument zur indirekten Kontrolle über die chinesische Wirtschaft.
Diese Logik ist nicht neu. Sie ist die alte imperiale Logik in modernem Gewand. Wer den Energiefluss kontrolliert, kontrolliert die Abhängigkeiten. Und wer die Abhängigkeiten kontrolliert, braucht keine Armeen mehr, um Druck auszuüben.
Die Sprache der Herrschaft
Das Irritierende an dieser Geschichte ist nicht, dass Grossmächte Interessen verfolgen. Das tun sie immer. Das Irritierende ist die moralische Verkleidung, in der diese Interessen daherkommen. «Sicherheit», «Frieden», «regelbasierte Ordnung» — das sind schöne Worte. Aber man sollte fragen: Wessen Sicherheit? Wessen Ordnung? Welche Regeln — und wer hat sie aufgestellt?
Der Iran ist kein Heiligenstaat. Sein Regime hat eine lange Liste an innenpolitischen Vergehen vorzuweisen, die ernsthafte Kritik verdienen. Doch darum geht es in dieser geopolitischen Auseinandersetzung nicht. Es geht nicht um die Menschenrechte iranischer Frauen. Es geht um Einfluss, Ressourcen und die Architektur einer Weltordnung, in der eine einzige Macht den Ton angibt.
Einordnung
Ich erhebe keinen Anspruch auf die ganze Wahrheit. Geopolitik ist selten monokausale. Aber wer die Debatte um den Iran ehrlich führen will, muss bereit sein, die unangenehmen Fragen zu stellen — auch jene, die in den Hauptnachrichtensendungen nicht vorkommen.
Die Geschichte lehrt uns, dass Kriege selten um das geführt werden, wofür man sie erklärt. Die Gründe, die man dem Volk gibt, und die Gründe, die in den Stabskarten stehen, sind oft verschiedene Dokumente.
Peter Ganz ist Kolumnist bei Swissvox. Seine Texte spiegeln seine persönliche Einschätzung der geopolitischen Lage.




Wobei die Drahtzieher der Middle East Destabilisierung vor allem in Israels B.N. zu finden sind. Es scheint, dass von dort die USA zumindest stark beeinflusst worden sind.
"Iran is not a holy state. His regime has a long list of domestic political offenses that deserve serious criticism. But that is not what this geopolitical dispute is about. It's not about the human rights of Iranian women."
This is the narrative of the Americans, not fact based.